Vom Kuhschrei zum Jodeldiplom: Schweizer Jodel zwischen gestern und heute

Gastvortrag von Lea Hagmann (Universität Bern)

Der Schweizer Jodel liegt im Trend. Im Dezember 2025 ist er von der UNESCO zum Immateriellen Weltkulturerbe erklärt worden und dieses Jahr hat die Jodlerin Nadja Räss den Grand Prix des Schweizer Musikpreises erhalten. Doch was hat es mit dem Jodeln in der Schweiz eigentlich auf sich und gibt es DEN Schweizer Jodel überhaupt? 

In dieser Gastvorlesung rollen wir die Geschichte des Jodels in der Schweiz auf: von den ursprünglichen Ruf- und Lockformen, die teilweise heute noch praktiziert werden, über früheste Notationen der mysteriösen "Kuhreihen" und deren spätere Stilisierung zum Symbol für Alpenromantik im 18. und 19. Jahrhundert, zur Bildung des Eidgenössischen Jodlerverbands (EJV) im Zuge des schweizerischen Nationbuildings im 20. Jahrhundert bis hin zu zeitgenössischen Formen und aktuellen urbanen Entwicklungen.  

Anhand verschiedener Noten-, Ton- und Filmbeispiele beschäftigen wir uns mit den unterschiedlichen Jodelformen (Zäuerli und Naturjuuz, Jodellieder, Urban Yodelling) und deren Entwicklung, und widmen uns insbesondere der Frage, wie "Tradition" rund ums Thema Jodeln in der Schweiz verhandelt wird. Die Spannbreite reicht dabei von wortlosen Vokalformen, über Jodellieder mit heimatverherrlichenden Texten bis hin zu Neuinterpretationen und -kreationen, wie sie beispielsweise der feministische Jodlerinnenchor Echo vom Eierstock praktiziert. Ebenfalls zur Sprache kommt der Studiengang für das Hauptfach Jodel, das an der Hochschule Luzern seit 2018 angeboten wird und die damit verbundene Frage, welchen Einfluss diese Institutionalisierung auf den traditionellen Jodel und die Jodelszene hat.